Eva Ibbotson – Sommerglanz

Eva Ibbotson – Sommerglanz

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In der Kürze liegt die Würze!!!

Nach meinem kleinen Desaster mit Murakami und der größer werdenden Leseflaute half nur eins: ein Buch, wo das Happy End schon vorprogrammiert war. Und dann noch ein kurzes Buch mit 254 Seiten. Ob das machbar wäre?

In dem Buch dreht sich alles um die schöne junge russische Gräfin Anna Gratzinsky. Verarmt muss sie im ersten Weltkrieg aus Russland fliehen und fängt in England ein neues Leben an. Ohne ihre Herkunft zu verraten tritt sie in den Dienst einer englischen Adelsfamilie. Denn dort soll bald eine große Hochzeit stattfinden: zwischen Rupert, dem Erbe vom bitterarmen Landsitz Mersham und einer reichen Dame mit mysteriösen Familienverhältnissen. Doch dann begegnen sich Rupert und Anna und das Versteckspiel beginnt…

Eva Ibbotson - Sommerglanz

Dass dieses Buch nur ein Happy End haben kann, ist doch wohl klar, oder? Die ganze Geschichte erinnert mich schon an die Tuchvilla, obwohl hier ja die Protagonistin auch von adliger Herkunft ist. Aber sie beißt sich durch und tut alles für ihre Familie (die nichts von ihren Hausmädchenqualitäten weiß). Auch die Szenen zwischen ihr und Rupert sind klein, fein und liebenswert. Denn so große kitschige Liebesszenen kann man hier nicht erwarten. Braucht es auch nicht.

Rupert ist hingegen hin- und hergerissen zwischen Liebe und Vernunftsehe. Obwohl diese ja weniger auf die Ehe als auf das flüssige Geld ausgelegt ist. All das kommt dann doch ein wenig zu konstruiert herüber, seine Liebe zu dem Landsitz und dessen Erhalt kommt nur selten beim Leser herüber. Seine erste Zukünftige (die mit dem Geld) kommt bei weitem nicht so Dümmlich und Klischeehaft herüber als man auf den ersten Blick vermuten könnte (das übernehmen dann andere!). Sie lässt sich halt auf den falschen Berater ein und lebt nach den Prinzipien der Eugenik. Und das veranlasst ganz viel Trubel auf dem Landsitz Mersham.

Leider gibt es in dem Buch ein großes Manko in der Storyline: irgendwann in der Mitte des Buches taucht aus dem Nichts eine komplett neue Familie aus, die wohl auch zu der Hochzeit eingeladen wurde. Diese Familie stellt sich als Schwarzes Schaf der Familie von Rupert heraus. Doch warum das so ist? Wird nicht erwähnt. Ohne Grund wird diese Familie als dümmlich durch und durch dargestellt. Die Autorin versucht erst gar nicht, etwas Positives an der Familie zu finden. Letztendlich schauspielert diese Familie gegen ein gutes Endgelt ihre „Schwachsinnigkeit“. Das war dann auch mir viel zu viel. Wie kann eine Autorin eine ganze Familie per se als Dumm verkaufen? Das ist so Schade, denn das hat das Buch überhaupt nicht gebraucht.

Im Endeffekt ist es eine nette und kurze Lovestory zwischen zwei Personen in den Nachkriegstagen. Trotzdem stößt das ganze Thema um die Eugenik und der ohne Grund dümmlich dargestellten Familie mehr auf als es wohl die Autorin bezweckte. Es ist zwar nett, wenn durch so ein Buch wie ganz nebenbei die Prinzipien der Eugenik (und was daran so schlecht ist) aufgezeigt, aber an manchen Stellen übertreibt es dann die Autorin mit der Darstellung.

Und auch wenn es ein Happy End gab, es sich locker und leicht zu lesen ließ – ich kann das Buch nur bedingt empfehlen. Aus den oben genannten Gründen: ich mag es nicht, wenn Personen einfach so in Schubladen gesteckt werden und vorverurteilt werden.


Eva Ibbostson – Sommerglanz

Blanvalet

254 Seiten (Taschenbuch)

2,5 Sterne

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