Paolo Cognetti – Sofia trägt immer schwarz

Paolo Cognetti – Sofia trägt immer schwarz

Gepostet von

Unnahbar

Letzte Jahr habe ich ein Buch ganz schön lobgehudelt. „Acht Berge“ von Paolo Cognetti. Und irgendwie war mir da schon klar, dass ich noch andere Bücher des Autors lesen musste. Nun ist dieses Jahr sein Erstlingswerk auch bei uns erschienen. Ich habe zugegebenermaßen anfangs gezögert. Ich hatte eine zu hohe Erwartungshaltung. Das steht in keinem Vergleich mit einem anderen Buch, das von mir gelesen wird. Trotzdem las ich das Buch. Und versuchte meine Erwartungen aufs Normale runterzuschrauben.

In dem Buch dreht sich alles um Sofia. Sie wächst in einer durchschnittlichen Wohngegend mit einem Arbeitstier als Vater und einer psychisch kranken Mutter auf. Das Konfliktpotenzial der Familie ist groß. Sofia löst ihre Probleme und ihr Leben auf ihre ganz eigene Weise.

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Im Endeffekt konnten meine zu hohen Erwartungen natürlich nicht standhalten. Trotzdem bleibt mir dieses Buch ein Rätsel. Und wahrscheinlich ist dies auch die Schlussfolgerung des Buches: denn Sofia bleibt für alle ein Rätsel. So wie eigentlich jeder Mensch auf der Welt. Man kann nun einmal nicht in die jeweilige Person hineinschauen. Das ist auch gut so. Zumindest in 99% der Fälle.

Sofias Leben wird durch viele unterschiedliche Personen und somit auch viele unterschiedliche Perspektiven erzählt. In keinem Kapitel erzählt sie selbst ihre Sichtweise. Daraus, dass die vielen Personen (z.B. Vater, Tante, Freundin, Wegbegleiter) viele Vermutungen anstellen, bleibt das Bild von Sofia beim Leser sehr schwammig zurück. Natürlich kann man ihr leiden nachvollziehen, aber ob hier überhaupt die ganze Wahrheit erzählt wurde? Man weiß es leider nicht. Man hat das Gefühl, viele Lücken zu erhalten. Das wird durch die zeitliche Ebene des Buches auch noch verschlimmert. Jedes Kapitel erscheint unabhängig von den anderen Kapiteln. Jedes Kapitel enthält einen anderen Erzähler und auch eine andere Zeitebene. Die Kapitel selbst nicht bis auf erste und letzte Kapitel nicht chronologisch miteinander verbunden. Mal ist Sofia noch klein, dann studiert sie schon, dann ist sie wieder in der Pubertät. Das blanke Chaos für den Leser!!!

Oft musste ich bei dieser Erzählweise an Markus Orths „Max“ denken. Da wurde der Protagonist auch hauptsächlich durch andere Personen erzählt. Aber dort funktionierte es recht gut, da es auch chronologisch aufgebaut wurde und die Anzahl der Erzähler (im Vergleich zur Seitenanzahl des Buches) sich in Grenzen hielt.

Letztendlich lässt sich das Buch gut lesen, was aber bei dem Autor durchaus erwartbar war. Er kann es einfach. Trotzdem merkt man hier sehr deutlich, dass es sein Erstlingswerk ist. Es fehlt das Gespür für das Menschliche. Klar werden in dem Buch viele verschiedene Themen angesprochen, wie Psychose, Krankheit, Seitensprung. Aber keines bleibt beim Leser haften. Sofia bleibt hüllenlos und wie eine Person, die es nie gab.

Das Ende des Buches wurde dann auch eher zusammenhanglos gefüllt. Da das ganze Buch eigentlich in Italien spielt, ist der Bruch zum letzten Kapitel mit dem Ortwechsel auf einen anderen Kontinent sehr extrem. Es hält sich der Anschein, dass der Autor keinen rechten Schluss finden konnten aber die Seitenlänge erreicht wurde.

Somit bleibt das Buch ein Durchschnittsbuch. Es tut nicht weh, lässt sich einfach lesen und verstehen. Es ist ein Erstlingswerk, das sollte man beachten. Ich vermute, wenn man die Acht Berge nicht sonderlich mochte, hier ein besseres Buch von Cognetti finden wird. Für mich kann ich da leider nicht hier weiter lobhudeln. Aber sei es drum. Das hatte ich ja auch eigentlich nicht erwartet.


3 Sterne

Paolo Cognetti – Sofia trägt immer schwarz

Penguin Verlag

233 Seiten

Ein Kommentar

  1. „Acht Berge“ – das muss ich noch lesen. Bei dem Buch „Sofia“ würde es mich stören, wenn eine Handlung aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt wird. Aber vielleicht gefällt das manchen Leuten.

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