Barbara Yelin - Irmina

Barbara Yelin – Irmina

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Ein Leben in Deutschland

Kennt ihr meine Rezensionen zu „Der Buchhalter von Auschwitz“ und „Aimée und Jaguar“? Beide haben eine Sache gemeinsam: diesen Hass der Autoren auf die Protagonisten. Und die Frage, warum denn niemand eingegriffen hat? Muss man alle hassen, die im Nationalsozialismus gelebt haben? Es ist Frage der Fragen. Und doch hat keiner eine richtig zufriedenstellende Antwort darauf.

In der Graphic Novel geht Irmina als junges Mädchen nach London und bildet sich zur Fremdsprachensekretärin aus. Doch die Umstände in Deutschland um 1935 zwingt Irmina zurück in die Heimat. Getrieben von der möglichen Rückkehr nach London arbeitet sie im Reichkriegsministerium. Als dann doch das Wiedersehen mit der großen Liebe Howard in London ausbleibt, heiratet Irmina einen deutschen Architekten. Und deutscher wird es kaum gehen….

Barbara Yelin - Irmina

Das Buch zeichnet den Weg von einem selbstbewussten Mädchen, dass bewusst alle Entscheidungen selbst treffen möchte, zu einer Dame, die alles mitmacht, was man ihr sagt. Wir konnte diese Entwicklung passieren? Es lag wohl an der Zeit. Die Autorin des Buches schafft diesen Spagat und auch den Umbruch der Protagonistin.

Das Buch dreht sich ausschließlich um das Leben von Irmina. Im ersten Teil als junges Mädchen in London, wo sie so einiges kennenlernt und auch gern die Welt entdecken möchte. Als Frau zurück in Deutschland wirkt sie wie ein Fähnchen im Wind. Sie macht, was man ihr erzählt, obwohl sie auch hinterfragt (aber nicht zu eindringlich) oder still anderen Gedanken nachhängt. Aber sie tut nichts gegen das Geschehen in Nazideutschland. Aus dem weltoffenen Mädchen wurde eine schwache und fahnentreue Frau. Und später eine griesgrämige alte Dame.

Gezeichnet ist dieses Buch eher dunkel und abgehackt. Aber das passt. Umso dunkler die Nazizeit wurde, umso dunkler wurden auch die Bilder. Für meine erste Graphic Novel passte die Umsetzung perfekt. Klar strukturiert und spannend.

Zusammenfassend ist es eine spannende Graphic Novel. Man sollte bloß nicht Irmina zu früh abstempeln und vorverurteilen. Auch sie hat eine zweite Chance verdient. Wirklich.

Die Frage, warum das mit Irmina überhaupt soweit kommen konnte, klärt nicht diese Graphic Novel. Hier wird nur eine Lebensgeschichte erzählt. In meiner Ausgabe von der Bundeszentrale für politische Bildung wird jedoch ein Nachwort von Herrn Dr. Korb aufgeführt. Und dieses Nachwort man dieses Problem deutlich: Warum konnte dies so geschehen? Warum schaute die Zivilbevölkerung nicht weg? Auch Dr. Korb kann keine definitive Antwort geben, aber das Wort ist wichtig. Den zwei Autoren aus den Eingangs erwähnten Büchern empfehle ich dieses Nachwort, da vermutlich beide auch Irmina hassen würden.


Barbara Yelin – Irmina

Bundeszentrale für politische Bildung

Graphic Novel

285 Seiten

5 Sterne

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