Laetitia Colombani – Der Zopf

Laetitia Colombani – Der Zopf

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Wie im Film

Ich weiß noch genau, wie ich im März auf der Leipziger Buchmesse 2018 am Stand vom Fischerverlag stand und mich urplötzlich dieses Buch im Regal anschrie: „Nimm. Mich. Mit. – Sofort.“ Ich brauchte keine fünf Minuten zu überlegen, ob ich dieses Buch nun kaufen werde oder nicht. Denn die Geschichte mit Familie, Frauen, Lebensgeschichten – das ist ja schon mein Ding. Ob es mir nun tatsächlich so gefallen hat wie auf der Buchmesse beim Kauf?

In dem Buch dreht sich alles um drei Damen an jeweils unterschiedlichen Orten der Welt. Smita in Indien möchte, dass ihr Kind es eines Tages besser hat als sie. Und opfert einiges dafür. Giulia in Sizilien muss plötzlich die Perückenfabrik des schwer verunglückten Vaters führen und vor dem Ruin rette. Und Sarah, die erfolgreiche Anwältin kämpft um ihren Job, Ruf und Erkrankung. Und alle drei kämpfen für die Freiheit und Unabhängigkeit der Frau.

Laetitia Colombani – Der Zopf

Ich muss sagen, dass das schon sehr pathetisch kling. Ja sogar schon wirklich wie ein Buch für Hollywood geschrieben. Und tatsächlich schreibt die Autorin hauptsächlich Drehbücher und die Filmrechte für das Buch sind auch schon längst verkauft. Und eigentlich ist das Buch einfach gestrickt: abwechselnd (meist im gleichen Muster) werden die Geschichten der drei Damen weitererzählt. Eine Verbindung der Geschichten ergibt sich erst zum Schluss. Wenn man aber die ersten drei Kapitel, also je ein Kapitel pro Dame gelesen hat, dann weiß man, was die drei Damen verbindet. Im Endeffekt nicht wirklich viel.

Trotzdem sind die Damen drei starke Persönlichkeiten. Die sich für ihre Werte einsetzen. Oder es erst lernen. Smita gehört zu keiner Kaste an, sie ist eine Unberührbare. Und so wird sie auch behandelt. Für ihre Tochter möchte sie jedoch ein besseres Leben. Damit dies klappt, muss sie ihren wertvollsten Besitz opfern. Die Story zeigt eine Kämpferin für das Leben. Gut so. Aber auch Giulia kämpft sich durch die sizilianischen Familienwerte. Denn sie möchte neues mit der Fabrik erschaffen. Einen Strukturwandel. Neue Wege einschlagen. Sie bleibt stark. Sarah hingegen war stark. Und muss nun ihre Schwächen eingestehen. Auch das ist mutig und stark.

Im Gegensatz zu den Geschichten von Smita und Giulia fällt leider Sarahs Geschichte zurück. Ich möchte die Geschichte nicht als unnötig bezeichnen, eher als Lückenfüller. Auch kommt ihre Geschichte weit kürzer und oberflächlicher vor als die der anderen beiden Damen. Vielleicht hatte die Autorin keine Lust mehr? Sarah war nur das Mittel zum Zweck: dass sich die drei Geschichten der Damen verbinden können. Mehr nicht.

Und da wären wir schon beim Kritikpunkt: das Buch hätte durchaus länger sein können. Ich hatte das Gefühl, dass das Buch nur stets an der Oberfläche schwimmt. Tiefgang sucht man vergebens. Bei Sarah ist dies nur allzu deutlich. Doch auch bei Smita wünscht man sich, wie es mit ihr weiter ging. Denn ihr Glück hat sie nicht am Ende gefunden.

Trotzdem ist es ein solides Buch, was sich sehr leicht lesen lässt. Wie in einem Film. Wer mehr Tiefgang braucht, ist hier nicht gut beraten. Es sind drei nette Geschichten. Starke Frauen, die Mut machen. Es ist eher ein Wohlfühlbuch.

Im Endeffekt konnte das Buch nicht ganz halten, was ich mir beim Kauf auf der Buchmesse von dem Buch versprach. Trotzdem mochte ich es, und vor allem Giulias Liebesgeschichte bleibt mir im Kopf. Einfach gestrickt, aber so etwas trifft mein Herz. Ich habe also definitiv keinen Fehlkauf getätigt.


Laetitia Colombani – Der Zopf

Fischer Verlag

282 Seiten

4 Sterne

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