Martin Suter – Elefant

Martin Suter – Elefant

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Kleiner, süßer, rosa Elefant

Als ich noch jung war hatte ich ein Lieblingskuscheltier. Dumbo. Das war ein rosa Elefant. Dumbo sah nicht hübsch aus und war auch nicht kuschelig. Aber ich habe ihn geliebt. Und jede Nacht habe ich meinen Kopf auf das Kuscheltier gelegt. In der Folge hatte ich dann einen sehr platt gedrückten Dumbo. War ich unterwegs und habe woanders übernachtet – Dumbo musste mit. Ich mag kleine rosarote Elefanten. Da kam Martin Suters Elefant genau richtig.

In dem Buch geht es wie man bereits vermuten kann, um einen kleinen, rosaroten Elefanten. Der auch noch in der Dunkelheit leuchtet. Dieses Genexperiment von dem erfolgshungrigen und geldgierigen Roux ging gewaltig schief. Und lange weiß er nichts davon. Denn der Elefant wird heimlich anderweitig untergebracht. Denn so etwas Sonderbares muss vor der Öffentlichkeit gut behütet und versteckt werden. Das Versteckspiel treibt Roux in den Wahnsinn.

Martin Suter – Elefant

Martin Suter hat hier eine Welt erschaffen, die absolut so passieren könnte. Genexperimente werden schon lange getätigt. Wer weiß, was da schon so alles experimentiert wurde? Das man einen farbigen Elefanten züchten müsse, klingt trotzdem absurd. Und das mach auch dieses Buch aus: immer am Rande des Absurden und des Wahnsinns. Aber eigentlich total real.

Roux, ein bisher eher erfolgloser Genforscher treibt es nun auf die Spitze. Eigentlich möchte er nur die Farbe bei dem Elefanten ändern. Und so besorgt er sich eine Elefantenkuh aus einem armen Zirkus und bezahlt diesen gut für die Leihkuh. Doch er rechnet nicht mit dem Tierarzt und Tierpfleger des Zirkus. Diese sind nicht auf Macht und viel Geld aus. Sie respektieren jedes Lebewesen und sehen es als deren Pflicht, besondere und eigenartige Lebewesen zu schützen. Dafür nehmen sie auch das eigene Leben in Kauf.

Man merkt schon, dieses Buch läuft auf die normale hollywoodreife Storyline hinaus: Machtgeiler Typ hat etwas, was aber durch einen Zufall in die Hände von bisher unschuldigen Personen gelangt. Diese unschuldigen Personen kennen sich zwar nicht mit dem Ding aus, aber wissen, dass es sehr bedeutsam für die Welt sein könnte, wenn es in die falschen Hände gerät. Sie kämpfen für das Gute und gegen das Böse (also der Machtgeile). Im Endeffekt ist dies auch die Geschichte des Buches.

Aber hier ist es viel menschlicher, realer gestaltet. Denn für Komik sorgt auch der Obdachlose Schoch. Eines Tages findet er den rosa Elefanten in seiner Höhle. Und diese absurden Situationen zwischen den beiden sind sehr schön beschrieben. Das Herz liest mit und bringt eine gewisse Prise Humor in das Buch.

Der Protagonist des Buches ist und bleibt aber der rosa Elefant. Größe Spielzeug. Leuchtet im Dunklen. Darf so etwas leben? Was ist schon normal? Warum muss etwas anders sein? Kann nicht alles gleich sein? Warum greift man in die Natur ein und manipuliert die Entstehung eines Lebewesens?

Das Buch gibt natürlich keine Antworten auf diese Fragen. Zeigt aber auf, wie man damit umgehen kann. Und regt definitiv an, sich mehr mit dem Thema Genmanipulation zu beschäftigen.

Ich werde jetzt schlafen gehen. Ganz ohne Dumbo. Wer weiß, wo er steckt? Wahrscheinlich in irgendeinem Schrank auf dem Dachboden. Ich sollte dort unbedingt einmal nachschauen…


Martin Suter – Elefant

Diogenes

348 Seiten

4 Sterne

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