Fichtelbergmarsch 2018 – Ich habe es getan

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Ich hatte es ja schon erwähnt wie ich auf diesen Marsch kam. Dieses Jahr wollte ich am Fichtelbergmarsch teilnehmen. Ein Tag, 64 km und Ziel ist der höchste Berg Sachsens: der Fichtelberg, 1214m hoch.

Seit der Anmeldung im Januar sind nun einige Monate vergangen. Lange habe ich es verdrängt. Im Mai bin ich dann tatsächlich weit mehr gelaufen als sonst. Und doch hatte ich letzten Freitag richtige Angst vor dem Marsch. Mein persönlicher Weitenrekord lag bei 42km. Das wollte ich nun ändern. Immer wieder rechnete ich mir die Zeiten aus. Wie viel km/h muss ich laufen, um spätesten 21:00 Uhr im Ziel zu sein? Die Zeiten der spätesten Startzeiten von den 5 Pausenpunkten schrieb ich auf einen Zettel und klebte diesen auf meine Handyhülle. Die Verzweiflung am Tag vor dem Marsch war sehr groß. Nächster Tag, 4:00 Uhr in Chemnitz. Ich war erstaunt, wie viele da schon auf den Beinen waren. Aber die Anmeldung verlief schnell und problemlos. 4:30 Uhr startete ich dann endlich los. Und zwar schön auf Asphalt.

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Da ging es lang

Kilometer 0 bis 13

Der Weg hinaus aus der Stadt war eher trostlos. Doch der erste Berg wartete schon. Am  Feldrand ging es hinauf zu einem schönen Blick zurück auf Chemnitz inklusive Sonnenaufgang. Leicht viel mir der Aufstieg nicht. Mir schwante Übles für die kommenden Kilometer. Ging es doch letztendlich immer weiter in die Höhe. Und es waren so viele Wanderer unterwegs. Man konnte am Horizont schon den Weg erkennen – denn dort liefen alle hin. Schön war auch die kleinen Ortschaften unterwegs. Dort standen die Bewohner vor ihren Häusern und feuerten uns Wanderer an. Morgenmotivation tut gut.

Kilometer 14 – 26

Nach dem schönen Frühstück am Teichhaus, Burckhardsdorf ging es über lange Waldwege weiter hinauf. Stur auf geteerter Waldstraße. Bei Kilometer 18 ging es dann über ausgetretenen und stockigem Waldweg steiler bergan. Und ich merkte: so schnell bin ich nicht unterwegs. Im Endeffekt überholte mich wohl jeder an diesem Tag. Ich habe viele Rücken mit Rucksäcke gesehen. Und viele waren nur am quasseln. Das habe ich vor allem im eigentlich stillen und ruhigen Wald als doch störend empfunden. Danach folgten noch kleine Dörfer. Letztendlich kam es dann noch so weit, dass meine kleine Wasserflasche (450ml) leer war. Und man spürte schon die Hitze. Und ich wollte nicht anhalten um die große Wasserflasche aus meinem Rucksack zu holen. Das hatte dann zur Folge, dass ich am nächsten Verpflegungspunkt sehr ausgetrocknet ankam. Und mich dann auf die Melonen, Ananas und Wasser mit Erdbeergeschmack stürzte. Und wieder war es ein toller Pausenpunkt. Mit viel Leckereien und Getränken.

Kilometer 27 – 36

Der folgende Abschnitt erfolgte nur auf Waldwegen. Mal gab es einen Knick nach links, dann wieder einen nach rechts. Aber im Grunde immer gerade aus. Es überholten mich weit weniger Wanderer als auf den ersten beiden Abschnitten. Die Gespräche wurden auch schon ruhiger. Viel passiert ist auf den Kilometern nichts. Außer das es meinem Magen eine halbe Stunde nicht ganz so gut ging. Das hing dann mit dem übermäßigen trinken an der letzten Versorgungsstation zusammen. Klassischer Fehler halt.

Kilometer 37 – 49

Der Pausenpunkt war wieder gut besucht. Ich hatte durchaus das Gefühl, dass so einige ihre Blasen zählten und verglichen. Nach der Kartoffelsuppe ging es dann auch weiter und wow. Ich lag doch für meine Verhältnisse noch gut in der Zeit. Immer rund eine Stunde vor der Empfehlung der Veranstalter für den spätesten Aufbruch vom Pausenpunkt. Kaum losgelaufen, kam dann gleich DER Blick aufs Ziel. Und wie so viele andere fotografierte ich auch erst den falschen Berg. Peinlich, wenn man doch den Fichtelberg schon seit der Kindheit kennt. Aber endlich mal ein Blick auf das Ziel. Und es lag noch so viel vor mir.

Der Weg verlief anfangs wieder flach dahin. Doch leider ging es dann doch lange bergab. Gar nicht so steil, dafür umso steiniger. Als dann noch das Erste-Hilfe-Mobil mit Blaulicht an mir und vielen anderen vorbeiraste, setzte mein Kopf ein. Wie schnell kann ich hier umkippen und einfach nicht mehr weitergehen können? In Kombination mit dem steinigen bergab war das kein guter Start zur Halbzeit. Nach dem bergab ging es dann auch gleich wieder bergauf. Und wieder sehr steil. Und wieder war meine Wasserflasche leer. Ich ächzte hoch, viele überholten mich und ich dachte da wirklich ans aufgeben. Bis zum nächsten Pausenpunkt und das war es. Oben angekommen hielt ich dann doch endlich mal an, holte mein Notwasser aus dem Rucksack und trank. Es tat gut. Da sollte man über seinen Ego stehen und auf den eigenen Körper hören. Leider, leider, leider ging es dann auch schnell wieder bergab. Im Endeffekt wusste ich ja, was mich auf dem Weg erwarten würde. Aber hier hätte es mich fast geschafft. Nun ging es steil und steinig bergab. Alle Wanderer waren langsam, fluchend, manche heulend hinunter getippelt. Und meine Beine waren so unendlich schwer auf einmal. Der letzte Kilometer zum Haltepunkt versöhnte mich dann doch wieder: es ging sanft bergauf. Meine Beine beruhigten sich. Das Aufgeben hatte ich irgendwo doch noch liegen gelassen.

Kilometer 50 bis 60

Der Pausenpunkt war wieder lecker bestückt. Und der Bus mit denen, die nicht weiter laufen konnten oder wollten fuhr an mir vorbei. Wieder kam der Gedanke, dass auch für mich sehr schnell das Aus kommen könnte. Aber ich versuchte es. Und lief weiter. Wieder über lange geteerte Waldwege bergan. Nun aber wunderbar still. Es war nun schon gegen halb fünf Uhr nachmittags und der Wald beruhigte mich. Dass ich noch im Zeitfenster lag. Dass ich einfach laufen konnte. Dann ging es doch wieder bergab. Dieses Mal auf geteerter Waldstraße, aber sehr lang und kurvenreich. Oh, das war wieder nicht schön. Aber vom Kopf her besser, da ich wusste, dass das Ziel mit jedem Schritt nahte.

Von nun an gab es von den anderen Wanderern aufmunternde Worte. „Das schaffen wir noch!“, „Nicht aufgeben, wir sind gleich da!“. Und diese Gesten taten gut und brachten mich voran. Dass es die letzten 5 km bis zum letzten Verpflegungspunkt wieder bergauf gingen, tat gar nicht weh. Es war ein angenehmes Gefühl, nach dem langen bergab endlich wieder bergauf gehen zu können.

Kilometer 61 bis 64

Die Stimmung am letzten Verpflegungspunkt war auf Tiefstwert. Weit unter Kellerstimmung. Wie die Hühner auf der Bank saßen wir Wanderer auf den aufgereihten Bierbänken. Keiner wollte weiter. Auch der Unmut über die noch zu gehenden Kilometer war groß. Sind es noch 3 Kilometer? 3,5 Kilometer? 4 Kilometer? Keine Ahnung. Irgendwann raffte ich mich dann doch noch auf (im Wissen, dass ich noch satte 2 Stunden Zeit bis ins Ziel hätte) und ging los. Und hatte eigentlich gleich wieder keine Lust, da ab nun der Weg steil bergan ging. Auf Matschwegen, da in den Wochen vorher wohl so einige Trecker über die Wege gefahren waren.

Nachdem dann doch noch eine kleine Ebene kam, stand auch eine sehr freundliche Sani-Frau am Wegesrand und motivierte wirklich jeden vorbeigehenden Wanderer, dass es nur noch 1,8 Kilometer wären. Da ich so Schildern mit Kilometerangaben weniger traue, fragte ich sie, woher sie das wüsste. Das stände halt auf dem Wegweiser dort und andere aus den vorherigen Jahren hätten dies auch bestätigt. Nun gut, für mich waren jetzt schon die 1,8km wie eine Weltreise.

Und nun ging es so richtig bergauf. Lange konnte man das Ziel nicht sehen. Immer wieder blieb ich stehen. Andere Wanderer taten dies auch. Und so langsam, Schritt für Schritt zog ich mich nach oben. Letztendlich empfand ich diesen Abschnitt aber weit weniger schlimm als zwischen Kilometer 40 und 50. Aber es zog sich so sehr nach oben. Und irgendwann, ganz plötzlich, war man oben. Ein kleines Empfangskomitee, dass wohl auf andere Wanderer wartete beglückwünschte auch alle anderen Ankommenden. Das tat gut. Und trotzdem fühlte sich das ankommen komisch an. Denn oben auf dem Berg war nichts weiter los. Und so zog ich es vor, keine Runde um das Fichtelberghaus zu drehen und den Ausblick im Sonnenuntergang zu genießen. Ich lief gleich (noch langsamer) weiter. 200 Meter waren es noch bis zum Ziel. Und dabei ging es nur bergab. Es waren mit die schlimmsten Meter am Tag.

Trotzdem gab es auch für mich, die, die erst gegen halb neun Uhr abends ins Ziel gewatschelt kam, einen kleinen Empfang. Der Kommentator half jeden einzelnen mit seinen Sprüchen ins Ziel. Herrlich! Aber ich war einfach zu platt, um das alles genießen zu könnnen. Vielleicht nächstes Jahr. Vieleicht.

Rückreise

Viel Zeit hatte ich nicht im Ziel. Schnell noch die Urkunde abgeholt, kurz hingesetzt und dann kam auch schon der letzte Shuttlebus vorgefahren. Auch dieser war schnell voll und fuhr los. Leider hatten so einige nach der Anstrengung ein wenig zu viel Bier getrunken. Da musste der Bus zwischendurch einmal kurz anhalten. Unterwegs sah man einen wunderschönen Sonnenuntergang. Und alle sahen hin. Und wow. Ich bin im dunklen losgelaufen, habe den Sonnenaufgang gleich hinter Chemnitz erlebt und sitze nun im Bus zurück und sehe den Sonnenuntergang. Was für ein Tag!

Der Tag danach

Dass die Strecke vom Bus zum Auto nur humpelnd zurückgelegt werden konnte, ist ja klar, oder? Ein paar Blasen habe ich mir doch zugezogen. Aber immerhin weniger als erwartet. Einige an den Zehen vom vielen bergab laufen. Und zwei (je eine links und rechts) in der Mitte des Fußes. Kleine Blase, große Wirkung. Ich konnte nur noch humpeln. Das tat ich auch in den nächsten Tagen. Aber das gehört nun doch irgendwie dazu. Muskelkater oder Schmerzen in den Beinen hatte ich gar nicht. Körperlich wie immer alles fit geblieben. Das kann aber auch am Magnesium liegen, dass ich schon im Vorfeld regelmäßig konsumierte.

Fazit

Es ist ein Erlebnis, dass man mal gemacht haben muss. Ob ich nächstes Jahr wieder dabeisein werde? Ich weiß es nicht. Ich kenne ja jetzt die Strecke. Darauf könnte ich natürlich bauen und meine Schwächen ablegen. Wenn, dann würde ich doch schon gerne meine Zeit verbessern wollen (ist ja nicht schwer, wenn man einmal von ganz vorn nach ganz hinten durchgereicht wurde).

Letztendlich haben laut Veranstalter 1109 von 1246 Teilnehmern das Ziel erreicht. Ich kann mir diese Zahl beim besten Willen nicht vorstellen. Zumal in den vorherigen Jahren der Anteil an Abbrechern (sehr schlechtes Wort, ich weiß) weit höher war. Auch habe ich ja volle Busse am vorletzten Haltepunkt gesehen. Ein voller Bus fuhr gerade los, ein weiterer Bus kam angerollt (und da standen noch so einige da und haben auf den Bus gewartet). Die Busse waren die Größe Reisebus. Und ich bin da ja nicht die einzige, der so etwas aufgefallen ist. Jule von Jules Leseecke hat dies auch auf andere Art mitbekommen.

Im Endeffekt war das Schummeln ja auch ganz einfach gemacht. Man hatte ja nur das Armbändchen, dass einen als Teilnehmer identifizierte. Keine Stempelkarte für unterwegs. Wo ich ins Ziel kam, war fast nix mehr los, die großen Massen waren da schon längst weg. Aber wenn man im Bus ins Ziel gefahren wird, kann man trotzdem immer noch auf den Berg hochlaufen. Wenn man dann wieder zurück zum Bus will, kommt man automatisch am Ziel vorbei. Und zack ist man doch noch ins Ziel gekommen. Die Dame von der AOK, die die Nummern fürs Zielfoto verteilte (die einige fälschlicherweise als Zielergebnis annahmen), kann sich nicht alle Gesichter merken und kann im Gewusel viele Tickets ausgeben. Das hat aber nichts mit Fairness zu tun. Und hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack. Jeder kann stolz auf sich sein. Und wenn man es nicht geschafft, dann ist es so. Nächstes Jahr kann man wieder angreifen und sich steigern. Probieren ist besser als faul auf dem Sofa zu hocken.

Zum Abschluss noch etwas Positives: die Organisation. Der Check-In war sehr durchdacht und schnell durchlaufen. Es gab unterwegs viele Streckenhelfer, bei denen man sicherlich sein Leid hätte klagen können. Auch die Bergwacht war ständig bereit. Einige Ersthelfer sind auch Abschnittsweise mitgelaufen. Auch die Verpflegungspunkte waren alle durchweg gut organisiert.

Wir sehen uns wohl doch nächstes Jahr, Fichtelberg.

Ich kenne mich halt. Im Januar jucken meine Füße wieder und wollen die 64km wieder knacken. Sollen sie doch machen.

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Geschafft!!!!

2 Kommentare

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