Reiner Engelmann – Der Buchhalter von Auschwitz

Reiner Engelmann – Der Buchhalter von Auschwitz

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Nichts Neues

Vielleicht habt ihr es mitbekommen: ich habe die Geo Epoche im Abo. Leider komme ich nicht mehr so zum regelmäßigen lesen, möchte aber trotzdem alle Ausgaben haben. Und so langsam schlägt sich der Hang zur Geschichte auch in meinem Leseverhalten zu. Anfang des Jahres las ich schon das wirklich empfehlenswerte Buch „Der Pfad“ von Rüdiger Bertram. Ein Buch, dass die Verfolgung durch die Nazis in Frankreich thematisiert. Dieses Mal las ich ein Buch über Auschwitz. Das wohl schwärzeste Kapitel deutscher Geschichte. Und vor noch nicht allzu langer Zeit gab es tatsächlich noch einen Prozess: gegen den Buchhalter von Auschwitz. Oskar Gröning.

Das Buch thematisiert nun das Leben des Oskar Grönings in der Zeit in Auschwitz. Er war hauptsächlich für die Verwaltung der Wertsachen der Häftlinge zuständig. Manchmal musste er auch zur Aufsicht der Ankunft der Transporte im Lager. Hierfür wurde er 2016 in den sogenannten „Auschwitzprozessen“ für schuldig gesprochen. An Beihilfe zum Mord an 300.000 Menschen. Auch dieser Prozess wird im Buch beleuchtet.

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Dieses Buch trägt ein schweres Thema. Und der Autor ist auch kein Unbekannter auf dem Gebiet. Ich habe den „Fotograf von Auschwitz“ nicht gelesen, kann daher keinen Vergleich stellen. Aber so wie dieses Buch geschrieben wurde, mag ich den Vorgänger nicht lesen wollen.

Ich hatte das Gefühl, der Autor war fasziniert vom Prozess und hat in Konsequenz zum Vorgängerbuch dieses hier geschrieben. Und das wohl sehr schnell. Denn eine Recherche zu dem Leben von Herrn Gröning war kaum festzustellen. Er beschrieb Fakten, die wohl schon überall durch die Medien gingen. Natürlich muss man darauf hinweisen, dass Herr Gröning zu seinem Leben schwieg. Aber ohne viele Fakten wäre dann auch das Buch nicht nötig gewesen. Über Auschwitz an sich gibt es genügend Bücher (da kannte sich auch der Autor dann bestens aus).

Der Schreibstil des Autors passt zu dem Untertitel des Buches: Die Schuld des Oskar Gröning. Denn man wurde das Gefühl nicht los, als würde der Autor den Angeklagten durch und durch hassen. Natürlich hatte Herr Gröning eine Schuld. Und wurde auch verurteilt. Der Autor schafft es aber, in jedem Satz das Schlechte hervorzuheben. Ich finde dies vor allem in einem Jugendbuch sehr bedenklich. Der Autor gibt nur seine Meinung preis. Kein Pro und Contra. Keine Begründungen. Kein Warum. Mit der fehlenden Recherche zu der Person kann da nur eine starre Meinung übrigbleiben. Im Buch wird nichts hinterfragt. Es ist nur eine Reihung von Ereignissen (die den Medien bekannt waren). Auch beschäftigt sich der Autor wenig mit der Zeit vor und nach Auschwitz des Oskar Grönings. Aber genau diese Lebensabschnitte hätten die Gründe und Fakten geben können, warum alles so kam, wie es kam.

Weiterhin frage ich mich bis heute, was der Zwischenteil sollte. Das Buch ist in drei Teile unterteilt. Am Anfang wird das Leben des Protagonisten erzählt, hauptsächlich in Auschwitz. Der letzte Teil erzählt vom Prozess. Der zweite Teil des Buches passt so gar nicht zum Rest. Hier wird nicht über Herrn Gröning erzählt, sondern über Éva Fahidi. Sie wurde nach Auschwitz deportiert und kam dort an, als Oskar Gröning Dienst an der Rampe hatte. Beide haben sich nie persönlich getroffen, doch sie sagte im Prozess gegen ihn aus. Hier im Buch wird nun ihr Leben erzählt. So eine Person hat es nicht verdient, sein Leben in diesem Buch wiederzufinden. Ein eigenes Buch wäre durchaus sinnvoll gewesen, um dem Leben und Leiden von Frau Fahidi gerecht zu werden.

Zusammenfassend ist es kein schönes Buch. In jeder Hinsicht. Man hätte so viel aus dem Stoff machen können. Aber hier schlägt nur eine Richtung durch. Es ist ein Buch, dass den Autor in den Vordergrund stellt und nicht die Thematik. Das ist so schade. Ich kann dieses Buch nur dann empfehlen, wenn man noch nichts über Oskar Gröning gehört hat und den Autor mag.

Ich muss sagen, dass in der Geo Epoche diese Zeit sehr ausführlich besprochen wurde. Und das weitaus besser, bedachter, bewegender und informativer. Und das auch nicht nur für Erwachsene.


Reiner Engelmann – Der Buchhalter von Auschwitz – Die Schuld des Oskar Gröning

Cbj Verlag

2 Sterne

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