Hiromi Kawakami – Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß

Hiromi Kawakami – Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß

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Eine leise, ungewöhnliche aber auch schöne Liebesgeschichte

Das Buch: Tsukiko, eine Mittdreißigerin, begegnet eines Abends in der Lieblingsbar ihren alten (und fast vergessenen) Lehrer Sensei. Die beiden treffen sich immer wieder unverbindlich in der Bar. Und sie lernen sich kennen, mit allen Marotten und Eigenheiten. Denn eigentlich sind beide Einzelgänger. Doch irgendwie verbindet sie doch etwas: die Liebe. Doch muss man sich unbedingt dazu bekennen?

Hiromi Kawakami – Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß

Das Fazit: Auf dem Cover steht es schon: Eine Liebesgeschichte. Wer jetzt aber hier auf Drama, Kitsch, Emotionen wartet, darf gerne weitergehen. Das alles findet man nicht in diesem Buch. Die japanische Literatur ist da etwas anders: eine stille Liebe, die sich zart entwickelt, hinzu noch einen Schuss Creepyness (durch den sehr großen Altersunterschied der Protagonisten).

Tskukiko erzählt aus ihrer Sicht die Begegnungen mit Sensei, ihre Gefühle und Emotionen. Und doch erzählt sie nie offen über die Liebe. Doch in all den Momenten, wo Sensei ihr gegenüber abweisend oder gar abwesend ist, da zeigen sich doch die Gefühle. Und das ganz so nebenbei.

„Beim Anblick der blitzenden Klingen bekam ich Sehnsucht nach dem Sensei. Sie sahen aus, als könnte man sich schon bei der leisesten Berührung damit eine blutige wunde zufügen. Warum musste ich bei den glänzenden Klingen wohl an den Sensei denken? Plötzlich wollte ich ihn unbedingt und ganz dringend sehen.“ Seite 33

Es sind die leisen Töne in diesem Buch, die diese Geschichte erzählen. Auf dem ersten Blick ist es nur eine kurze Erzählung über zwei Menschen in einer Bar, was das Buch durchaus langweilig erscheinen lässt. Doch diese Begegnungen wirken auf den Leser erst mit dem weiteren Verlauf des Buches. Und macht die Story doch noch zu dem, was sie eigentlich sein sollte: eine Liebesgeschichte.

„Auch kleine Wellen im Meer können weit entfernt eine Katastrophe auslösen. So ist das auch in der Ehe.“ Seite 51

Sensei, der alte Greis und Liebesobjekt, wirkt sehr Eigenbrötlerisch (mehr als Tsukiko). Natürlich hat er weit mehr Lebenserfahrung als Tsukiko, doch er erscheint durchweg dem Leser einen Tick zu mysteriös und undurchsichtig. Das ist wohl auch so gewollt, wirkt auch auf der Kürze des Buches ein wenig zu ermüdend.

Literarisch ist es mit viel Bedacht und Würde geschrieben. Nie wird es zu abschweifend oder zu langweilig. Frau Kawakami findet immer den richtigen Ton und hat ein Gespür für die Kürze des Textes. Den auf den 187 Seiten findet eine komplette Liebesgeschichte statt, ohne dass der Leser etwas vermissen würde.

Zusammenfassend ist es ein ruhiges Buch für Liebhaber der japanischen Literatur. Wer ein Portrait über zwei Einzelgänger (die doch zueinander finden) lesen möchte, wird hier richtigliegen.

4 Sterne

Hanser Verlag – 187 Seiten (Hardcover) – 8,90€

ISBN 978 3 446 20999 2

„Aber wenn man träumt, wacht man irgendwann wieder auf.“ Seite 119

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